Zum Werk von Hanno Karlhuber
Der Erlkönig, Öl auf Hartfaser, 70 x 100 cm, 1996
Er zeigt nicht eine Welt der Reisen und reizvollen Landschaften, er geht in die Tiefe vonTräumen und Phantasien, die oft genug dunkel sind, als sei das Leben nur in der Nacht aktiv, als sei alles Licht gebündelt auf einen Ausschnitt oder in weite Ferne gerichtet. Unwillkürlich meint man eine unstillbare Sehnsucht zu spüren, die den Künstler treibt und die er im Malen sich zu stillen bemüht. Das Dunkle lastet schwer und übermächtig, die Signale stehen auf Rot, oder verweigern die Weiterfahrt, das Fernlicht gibt nur eine einsame Allee frei und die Angst des Kindes vorm Erlkönig wird traurige Realität im Rückspiegel.
Öl-Tempera Feinmalerei, dicht und vielschichtig gemalt ist die eine, die technische Seite, mit meisterlichem Können werden die Gegenstände detailgetreu dargestellt, Bäume und Gläser, Häuser, Autos, Feld, Wald und Himmel sind Objekte der malerischen Perfektion. Die andere, die künstlerische Seite, ist aber ebenso vielschichtig und lässt Hintergründe und Tiefen erkennen, die aus der ewigen Suche nach Wahrheit und Erkenntnis, aber auch aus Ängsten, Sorgen und Nöten und aus schlaflosen Nächten geboren scheinen. Träume verbinden sich mit Erfahrungen, Surreales mit Realität. Der oft monatelange malerische Prozess lässt zudem Stimmungen zu, die im schnellen Aquarell oder der Zeichnung zwar ebenfalls aufkommen, die aber im langen und geduldigen Aufbau der Farben viel mehr dem täglichen Wandel der Emotionen ausgeliefert sind. Als würde aber hinter all dem Dunklen schließlich immer wieder das Helle als Erlösung stehen, ist das letzte Detail bei einem Bild allemal die Überhöhung durch das Licht, das irgendwo in der Ferne dann doch leuchtet. Tröstlich, wenn auch unerreichbar. Aber es signalisiert, dass dort, irgendwo, auch ein Mensch sitzt hinter dem einzigen erleuchteten Fenster. Einsamkeit geteilt mit dem Unbekannten, irgendwo im Dunkel der Nacht.“
Aus einem Text von Prof. Angelica Bäumer